Ausgefahren: Renault ZOE R110

Wenn es um den Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland geht, so ist Renault die unangefochtene Nummer eins auf dem Platz: Kein anderer Hersteller kann in Deutschland mehr Fahrzeuge mit Elektroantrieb verkaufen und auf die Straße bringen. Und damit das auch so bleibt, hat der französische Konzern den ZOE verbessert und mehr Power verliehen. Das Resultat: Der ZOE R110. Grund genug, mir dieses Fahrzeug genauer anzusehen und eine Testfahrt zu absolvieren.

Eine Neuentwicklung ist der neue ZOE wahrlich nicht. Renault hat lediglich hier und da einige Detailverbesserungen vorgenommen. Allerdings dürfen sich die Käufer auf einen neuen, leistungsstärkeren Motor freuen: Den R110. Dieser 108 PS starke Elektromotor bietet satte 225 Nm Drehmoment, die sofort anliegen. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 135 km/h abgeriegelt, den Spurt von 0 auf 100 km/h schafft das Fahrzeug in 11,4 Sekunden (zum Vergleich: Der R90 braucht hierfür 13,2 Sekunden). Die luftgekühlte Lithium-Ionen Batterie hat eine Spannung von 400 V und eine Nennkapazität von 41 kWh. Die Reichweite beträgt laut WLTP-Testzyklus 300 Kilometer.

Im Innenraum Platz genommen könnte man denken: Ja, ein ganz normales Fahrzeug. Vom Design her erinnert es ein bisschen an den Renault Captur oder den Clio, zumindest die Bedienelemente der Klimaanlage teilen sich die Fahrzeuge. Futuristisch wirkt hingegen das Kombiinstrument, welches nicht nur die aktelle Geschwindigkeit, sondern auch die Restreichweite und den aktuellen Energieverbrauch bzw. den Stand der Rekuperation anzeigt. Hier hat sich im Vergleich zum bisherigen Modell jedoch nichts getan.

Direkt beim Losfahren hört man… genau, gar nichts. Lautlos setzt sich der ZOE in Bewegung. Erst ab 10 km/h hört man den Kies vom Untergrund knirschen und ab 20-30 km/h die ersten Abrollgeräusche der Reifen. Die Beschleunigung ist, wie für ein Elektrofahrzeug typisch, deutlich besser als bei einem Verbrenner. Allerdings hätte ich erhlich gesagt vom R110 doch ein bisschen mehr erwartet, dennoch spürt man den Unterschied zum älteren R90 Motor. Gefahren bin ich den ZOE R110 in der Eifel rund um den Nürburgring. Dabei konnte man dank des schwankenden Höhenprofiles die Rekuperation besonders gut beobachten. Ohne Probleme ließ sich der ZOE durch die engen Kurven und Serpentinen lenken, die teilweise doch recht starken Steigungen hat der Wagen mühelos über sich ergehen lassen.

Dank des recht hohen Eigengewichtes der Batterie (305 kg), die sich in der Bodengruppe befindet, hat der Wagen einen relativ niedrig liegenden Schwerpunkt. Das ermöglicht es, auch mit höheren Geschwindigkeiten in die Kurven zu fahren, ohne dass man Angst haben muss, der Wagen könnte umkippen. Die Schwankungen halten sich also in Grenzen, was bei kurvenreichen Straßen für ein angenehmes Fahrverhalten sorgt.

Apropos Fahrverhalten. Davon hängt ganz entscheidend auch ab, ob man die angegebene Reichweite von 300 Kilometern tatsächlich erreicht. Natürlich ist man bei den angegebenen Reichweiten immer skeptisch und natürlich muss man auch Verständnis dafür haben, dass in unterschiedlichen Regionen und bei unterschiedlichem Fahrverhalten die Reichweiten variieren. So ist es durchaus verständlich, dass man in der Eifel oder im Gebirge allgemein die 300 Kilometer nur schwerlich oder gar nicht erreicht. Auf dem flachen Land im Norden hingegen ist dieser Wert durchaus realistisch. Zumindest bei einem gediegenen Fahrstiel. 

Was während der Testfahrt auffiel: Der vom Bordcomputer in Zusammenarbeit mit dem Navi errechnete Energiebedarf viel ziemlich genau aus. Dank des Navis und der Koordinaten konnte dabei das Höhenprofil berücksichtigt werden. Außerdem ermittelt das Navi (Renault R-Link) bei der Zieleingabe die Restreichweite oder schlägt auch nach Wunsch eine energieoptimierte Streckenführung vor. 

Wenn der Akku leergefahren bzw. die Restreichweite auf null ist, muss der Akku geladen werden. Das geschieht dank des CHAMELEON CHARGERS, welches im ZOE seine Premiere feierte, problemlos. Damit lässt sich der Akku mit Ladeleistungen von 2,3 bis 22 kW versorgen, darunter auch per beschleunigter Ladung an einer 400-Volt-Drehstrom (AC)-Station. Der leere Akku lässt sich dann mit 32 Ampere Ladestrom und 22 kW Ladeleistung in 1:45 Stunden laden. Hat man keine Wallbox, sondern nur eine normale Steckdose, dauert das Laden bis zu 25 Stunden. Und wo wir grade beim Thema laden sind: Der Zeitpunkt der Ladung lässt sich im Fahrzeug programmieren.

Wer den ZOE mit dem R110-Motor haben möchte, muss mindestens 27900 Euro plus Batteriemiete investieren. Das ist im Vergleich zu einem Benziner in vergleichbarer Größe ein stolzer Preis. Leider merkt man zudem an einigen Stellen, dass Renault bei den Materialien gespart hat. So überwiegt im Cockpit Hartplastik und die Türverkleidungen fangen an zu knarzen, sobald man mit seinem Bein dagegen kommt. Letzteres ist besonders bei größeren Personen zu beobachten.

Also, würde ich mir einen Renault ZOE kaufen? Ja. Aber nur als Zweitwagen. Für mich als Vielfahrer ist der ZOE nicht geeignet. Das Hauptproblem ist dabei die Reichweite. Als Zweitwagen könnte ich ihn mir jedoch durchaus vorstellen. Oder als kleinen Flitzer für die Stadt, wenn man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kommen kann. 



1 Trackback / Pingback

  1. Renault verkauft immer mehr Elektrofahrzeuge – DaciaBlog.De

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*